Flachsaussaat im Kleinen – einige Tipps und Tricks

Der Flachsanbau im Kleinen kann zu einem wunderbaren Erlebnis werden, wenn einige Grund legende Eigenschaften und Bedürfnisse des Faserleins beachtet werden. Dabei spielt es nur eine untergeordnete Rolle ob es sich um eine Demonstrationsfläche in einem Freilichtmuseum, einem Schulgarten, einen Hausgarten oder ein Stück ackerbaulich genutzter Fläche handelt. Im Folgenden haben wir die wichtigsten Hinweise für „Neulinge“ zusammengefasst:

Flächenauswahl
Der Flachs wünscht sich möglichst viel Sonne. Beschattung durch Bäume oder Gebäude, die über wenige Stunden am Tag hinausgeht, quittiert er durch mastigen Wuchs und verzögerter, dafür fast nie enden wollender Blüte. Daher: Flachs stets auf der Südseite von Gebäude oder hohen Bäumen aussäen. Ähnliche Folgen hinsichtlich für den Wuchs bringt ein zu nährstoffreicher Boden mit sich. Viele Gärten sind insbesondere hinsichtlich des Nährstoffs Stickstoff überdüngt. Dort wächst der Flachs in den ersten Wochen zwar scheinbar prächtig, fällt aber zur Blüte hin um und steht nie wieder auf richtig auf; für eine Fasergewinnung ist er dann verdorben. Dies geschieht besonders dann, wenn zu einem hohen Stickstoffgehalt des Bodens auch noch eine tägliche Beschattung kommt. Zwar kann man durch über Kreuz gespannte Schnüre das Schlimmste verhindern, dennoch wird die Flachsfaser grob und wenig reißfest.

Bodenvorbereitung
Der Flachs möchte „das Mittagsläuten hören“. Er ist ein Flachkeimer und wünscht ein über sich feinkrümelige Erde und unter sich einen Anschluss an das Kapillarwasser des Bodens. Daraus folgt, dass ein nach dem Umgraben grobscholliger Boden wieder „rückverdichtet“ werden muss. Wenn bereits im Herbst umgegraben wurde geschieht dies quasi von selbst über Winter. Bei Umgraben im Frühjahr kann es notwendig sein, vor allem Böden mit hohem Tonanteil mehrfach intensiv mit Hacke ober Übertritt auf der Ebene der Saatgutablage zu verdichten.

Sortenwahl
Es gibt in der EU rund 25 für den Feldanbau zugelassene Faserleinsorten, die sich in Fasergehalt und -qualität, Wuchs- und Blühverhalten sowie Samenertrag und Lagerneigung unterscheiden. Die angebotene Faserleinsorte „Marylin“ ist ein typischer, blaublühender und hoch wachsender Fasertyp. Falls handelübliche Leinsaat zu Ernährungszwecken – in der Regel Öllein – zur Verfügung steht, bietet es sich an, einen kleinen Bereich des vorgesehenen Areals mit diesem einzusäen. Spätestens nach 40 Tagen werden Sie den Unterschied erkennen. Zur Ernte wird der Öllein dann viel niedriger als der Faserlein sein und allenfalls die Hälfte seiner Faserausbeute bringen. Eine gute Faserleinsorte finden Sie im Flachsshop.

Aussaatzeitpunkt
In der konventionellen Landwirtschaft wird der Flachs so früh wie möglich gesät. Seine mangelnde Konkurrenzkraft gegenüber Unkräutern kann dann durch das Versprühen von nur auf Letztere wirkenden Herbiziden ausgeglichen werden. In der ökologischen Landwirtschaft wird meist später gesät und die Zeit zuvor dazu ausgenutzt, die Unkräuter schon einmal auskeimen zu lassen und dann durch eine weitere Bodenbearbeitung zu verschütten. Diese Vorgehensweise empfiehlt sich auch im Garten: möglichst früh im Jahr die Flachsfläche „schwarz machen“ und dann auf keimende Unkräuter achten, die je nach Temperatur und Feuchte nach einigen Tagen bis wenigen Wochen erscheinen. Diese unerwünschten Keimlinge werden dann unmittelbar vor der Aussaat mit der Hacke bearbeitet und abgerechelt. Der richtige Aussaatzeitpunkt steht allerdings immer nur im Nachhinein fest. Spätfröste oder für eine Keimung zu niedrige Temperaturen sind nur bei prophetischen Gaben voraus zu sehen. Die alte Regel: „Am hundersten Tag des Jahres säen und hundert Tage später ernten“ ist im Garten nicht so eng zu sehen: Selbst eine Aussaat Ende Mai kann noch sehr ordentlichen Flachs bringen. Entscheidend sind eher die Bedingungen, unter denen der Flachs keimt und aufläuft. Das kann bei Aussaat im März durchaus 20 Tage dauern, während es Ende April innerhalb einer Woche geschehen kann – muss aber nicht. Um eigene Erfahrungen zu sammeln bietet es sich an, die Fläche zu teilen und einen kleinen Versuch zum Aussaatpunkt von Faserlein zu wagen. Grundsätzlich kann Faserlein von Anfang März bis Anfang Juni ausgesät werden, einer hohen Ertrag an guter Faser sollte man bei extrem früher oder später nicht unbedingt erwarten.

Aussaatmenge – breitwürfig oder in Reihe
Die traditionelle Art Flachs auszusäen war, die Saat in weiten Schwüngen, mehrfach überlappend auszuwerfen und sie dann leicht einzuarbeiten. Dieses Verfahren benötigt allerdings viel Expertise in der gleichmäßigen Verteilung der Saat und hat zudem den Nachteil, dass durch die zwangsläufig unterschiedlich tiefe Ablage der Saat unter der Bodenoberfläche ein gleichmäßiger Auflauf nur schwer zu erreichen ist. Im Garten empfiehlt sich der Anbau in Reihen. In landwirtschaftlichem Maßstab wird dabei ein möglichst enger Reihenabstand (7cm –11cm) angestrebt. Das ist günstig für den Standraum der Einzelpflanze, ungünstig jedoch für eine mechanische Unkrautbekämpfung.
Sofern die Fläche nicht so groß ist, dass eine Unkrautbekämpfung von Hand zur Tortur (kleiner etwa 30 qm) wird, empfiehlt sich die Aussaat in engen Reihen. Darüber sollte ein Reihenabstand von etwa 15 bis 18 cm, genug für den Einsatz einer schmalen Hacke, angestrebt werden. Aus dem Reihenabstand ergibt sich die Anzahl der Samen je Laufmeter Reihe und damit deren Gewicht: Bei 10 cm Reihenabstand ergeben sich je Quadratmeter eine 10 Laufmeter Reihe. Um beispielsweise einen Bestand von 1800 bis 1900 Einzelpflanzen je qm zu etablieren werden 2200 Samen ausgesät. Das entspricht dann 220 Samen je Laufmeter Reihe, mithin bei einem Tausendkorngewicht von 6,5 g einer Menge von etwa 14 g je Meter. Verwendet man als Saatgerät beispielsweise einen Yoghurtbecher mit einem kleinen Loch im Boden, durch das die Samen kontinuierlich „abfließen“, so ergibt sich aus der Geschwindigkeit, mit welcher der Yoghurtbecher über die Saatrille bewegt wird die Menge des ausgebrachten Samens. Mit Hilfe einer Küchenwaage und über einem markierten Stück Folie ausgebrachter Leinsaat kann man sich an die richtige Geschwindigkeit der Bewegung gut herantasten.
Ob die „Saatfurche“ nun mit einem Zinken entlang einer Schnur oder mit Hilfe eines Brettes (mit der Schmalseite hin- und herrubbeln) hergestellt wird, ist weniger wichtig als ein feinkrümeliges Saatbett. Nur dann kann nach Einbringen der Saat in den Boden die Erde mit einer umgedrehten Harke kontrolliert so über die Rille geschoben werden, dass die Samen etwa 1-2 cm unter der Bodenoberfläche zu liegen kommen.
Zu tief vergrabener Samen braucht sehr lange um zur Bodenoberfläche durchzustoßen, zu flach abgelegter Samen kann nach Anquellen und Auskeimen bei Trockenheit absterben. Oberflächlich sichtbarer Samen wird er leicht ein Opfer von Vögeln. Bleibt es nach der Aussaat längere Zeit trocken, empfiehlt es sich den Flachs so feucht zu halten, dass die Samen ungestört quellen, keimen und auflaufen können. Falls ein Schlagregen nach der Saat die Bodenoberfläche verschlämmt und zu einer Krustenbildung führt, ist es gleichfalls notwendig den Boden in der Phase feucht zu halten, in der die dann noch gelben Keimblätter versuchen die Bodenoberfläche zu durchstoßen.